Mitarbeiter on Tour – Eine besondere Reise nach Rom

Der Ruf nach "Freiheit"

Mein Name ist Daniel Schubert, ich bin 23 Jahre alt und war mein ganzes Leben lang bisher sportlich aktiv. Seit September 2010 bin ich bei der CVS engineering GmbH beschäftigt. Hier habe ich meine Ausbildung zum Industriemechaniker durchlaufen und erfolgreich abgeschlossen und bin nun in der Montage tätig. Durch meine sportliche Begeisterung und meine Reiseleidenschaft kam ich im Sommer 2016 auf eine ausgefallene Idee: Ich wollte aus eigener Kraft mit einem Fahrrad zum Vatikan in Rom und wieder zurück fahren. Das Ganze klang ziemlich verrückt und da ich niemanden in meinem Umfeld ebenfalls für diese Idee begeistern konnte, musste ich meine Reise allein antreten.

Die Vorbereitungen

Da mich diese Idee nun nicht mehr los lies, musste und wollte ich mit der Umsetzung beginnen. Als erstes setzte ich mir ein Terminziel: Da ich über die Alpen mit dem Fahrrad zu fahren hatte und möglichst viel die Natur genießen wollte, habe ich mir die Sommermonate für diese Reise ausgesucht. Nun hatte ich zwei Monate für die Vorbereitung. Das Wichtigste zuerst: Ich musste mir ein Fahrrad organisieren. Durch meine vorangegangenen Erfahrungen aus dem Kraftsport wusste ich mich vorzubereiten. Es zog mich jeden Tag aufs Fahrrad, angetrieben von meinem, zugegeben sehr ehrgeizigem Ziel, steigerte ich meine Leistung kontinuierlich. Ich begann beim Fahrradfahren viele Früchte zu verspeisen, um unnötiges Völlegefühl zu vermeiden und durch den Fruchtzucker direkte Energie abrufen zu können. Auch besorgte ich mir ein paar Fahrrad-Taschen, ein zeitsparendes Wurfzelt und eine Isomatte.

Aufbruch ins mediterrane Italien

Voller Selbstbewusstsein und Selbstsicherheit durch meine gute Vorbereitung und Planung startete ich Ende Juni meinen Aufbruch ins „Ungewisse“. Natürlich hatte ich im Vorfeld so gut es ging meine Reiseroute geplant, doch wie sagt man: ,,Man weiß ja nie!“ Meine erste Hürde die ich stemmen sollte waren die Alpen. Ich legte mir ein strammes Programm zurecht, mit einem Ziel von täglich rund 100 km. Am ersten Tag erreichte ich abends den Zuger See, rund 40 km weniger als geplant. Ich hatte den Faktor Gepäck völlig unterschätzt. Meine Muskeln waren total ausgepowert als ich am zweiten Tag den Aufstieg Richtung Gotthardpass wagte. Doch als ich dann abends mein Hotel auf halber Höhe (mit viel schieben) erreichte, war ich vollkommen euphorisch. Gefühle, die mich auf meiner Reise immer wieder begleiteten und vorantieben.

Als am nächsten Morgen die Sonne den Tag einleitete, stand mir die größte und schwierigste Etappe meiner Reise bevor: der Gotthardpass. Mein neu gewonnenes Selbstvertrauen erlaubte mir nicht eine Minute daran zu zweifeln, dass ich diese Etappe nicht schaffen würde. Ich machte Pausen und ich schaffte es! Voller Stolz erreichte ich die Passhöhe und ich war überwältigt von meinen Gefühlen. Zusätzlich war es für mich faszinierend, zum ersten Mal Schnee im Juni zu sehen.

Nach jedem noch so hohen Aufstieg folgt eine rasend schnelle Abfahrt voller Adrenalin und Endorphinen, eine Erkenntnis die mir im Laufe meiner Reise noch mehrfach begegnete. Voller Freude starte ich meine Abfahrt Richtung Bellinzona. Im Eifer des Gefechts landete ich versehentlich auf der Autobahn, wo ich natürlich überhaupt nicht hin wollte. Zum Glück war nicht weit entfernt eine Autobahntankstelle, wo ich prompt der Polizei in die Arme lief. Diese hatte mich bei meinem ungewollten Ausflug entdeckt. Trotz gewisser Verständigungs-schwierigkeiten (mein Englisch ist nicht das Beste und die beiden Polizisten sprachen vor allem Italienisch) wiesen mich die beiden Herren auf meinen gefährlichen Verstoß hin und berechneten mir eine Buße. Nachdem das Ganze verdaut war, setzte ich meinen Weg (auf der geplanten Strecke) fort und erreichte ich am Abend Lugano.

Im Laufe meines vierten Reisetages überschritt bzw. überfuhr ich endlich die ersehnte Grenze nach Italien. Nach einer Nacht in Bergamo beschloss ich mich spontan einen kleinen Abstecher zum ,,Lago d'Iseo“ zu machen und mir ein berühmtes Kunstwerk Christi anzuschauen. Am sechsten Reisetag erreichte ich nach Gotthardpass und italienischer Grenze mein nächstes großes Etappenziel: den Gardasee. Völlig entkräftet genoss ich die zahlreichen Sonnenstrahlen. Ich wollte es mir aber nicht nehmen lassen Sirmione zu erkunden und ein kühles Eis in einer der zahlreichen Eisdielen zu genießen.

Nach einem Tag der Erholung ging es für mich weiter Richtung Padua, einem sehr schönen Bergdorf vor Venedig - meiner nächsten Etappe. Hier lernte ich das erste Mal den Charme Italiens kennen: die gelassene, entspannte italienische Mentalität. Diese gelassene Mentalität konnte ich im Laufe meiner Reise hauptsächlich in kleinen Dörfern finden. Die großen Städte sind sehr überlaufen und haben schon lange diesen speziellen italienischen Charme verloren.

Reisetag Nummer Acht habe ich voller Begeisterung in Venedig, der Stadt der Liebe, verbracht. Am eindrucksvollsten ist mir die sehr schöne Architektur in Erinnerung geblieben. Auch hier konnte ich meine Kräfte wieder mobilisieren. Da ich mich ein wenig im zeitlichen Verzug befand, stemmte ich die Strecke nach Rimini in einem Tag. Nichts mit Party am Strand, aber ein gutes Essen ist trotzdem rausgesprungen. Das wohl kräftezehrendste, härteste Stück meiner Reise streckte sich nun über drei Tage von Rimini bis zu meinem zentralen Ziel: Rom. Ein beinahe berauschendes Gefühl machte sich in mir breit als ich nach den 14 geplanten Tagen mein Ziel erreicht hatte. Ich besuchte alle für mich interessanten Sehenswürdigkeiten in Rom: u.a. das Kolosseum, das Pantheon, den Trevi-Brunnen und natürlich den Vatikan. Als ich am Vatikan eintraf, konnte ich meine Tränen vor Freude nicht mehr zurückhalten. Doch was ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht wusste war, dass mir das schönste Kapitel noch bevorstand.

Durch die täglich Belastung und den Anspruch an mich selbst, wurde der Rest meiner Reise zu einem Genuss, sowohl körperlich als auch mental. Angefangen bei meiner nächsten Etappe, den heißen Naturthermen bei San Fillippo. Hier konnte ich mich vollkommen entspannen. Wenige Tage und viele kleine Berge später erreichte ich Siena. In diesem Ort habe ich ein Teil meines Herzens gelassen. Bei einem wirklich guten Glas Rotwein und der besten Pasta meines Lebens, habe ich meinen Gaumen auf eine Reise gebracht, die ich so schnell nicht wieder vergessen werde.

Als ich in Bologna ankam, hatte ich schon sehr viel Zeit hauptsächlich alleine verbracht und wahnsinnig viel erlebt und gesehen. Ich verspürte den starken Drang mich mit Freunden und Familie auszutauschen und wieder etwas Zeit mit ihnen zu verbringen. Also gab ich alles, mit dem Ziel einen Tag früher wieder zuhause zu sein. Ich schaffte es tatsächlich einen ganzen Tag früher als geplant nach Mailand - meiner letzten Etappe.

Die letzten vier Tage waren voller Euphorie, vollgepackt mit Gefühlen und Freude. Ich genoss jeden Tag und lies meine bisherige Italienreise Revue passieren. Somit war der letzte Tag der emotionalste für mich persönlich. Ich habe von dieser Italienreise sehr viel mitgenommen: Italien ist ein sehr religiöses Land mit einer unglaublichen Geschichte, einem tollen mediterranen Baustil, wahnsinnig herzlichen und freundlichen Menschen und einer tollen Mentalität. Ich habe einen Teil meines Herzen dort gelassen und kann nur empfehlen, solch eine intensive Reise zu machen.

Daniel Schubert